Helicopter

Ich muß hier bestimmt niemanden erklären, was ein Helikopter, - kurz auch Heli genannt, ist und wodurch er sich auszeichnet. Fakt ist aber, dass ein Modellheli - wird reden hier nicht von diesen Spielzeugfliegern, die man für ein paar Euro im Spielwarengeschäft kaufen und im Wohnzimmer fliegen lassen kann, - sondern von fliegenden Kreissägen die mit äußerster Umsicht zu benutzen sind. Wenn so ein Teil, auch wenn es "nur" einen Rotordurchmesser von einem knappen Meter hat, außer Kontrolle gerät, sterben Menschen und Tiere. Das ist keine Übertreibung. Die Rotorblätter sind oft aus Fieberglas oder Carbon, also aus ziemlich harten Material und an der vorlaufenden Kante recht spitz. Der Rotorkopf dreht sich, je nach Modell, mit einer Geschwindigkeit von 1600 bis über 3000 Umdrehungen pro Minute. Was diese Flügel mit menschlichen Weichteilen machen, kann sich jeder vorstellen. Daher gilt immer die eiserne Regel: Vor dem Piloten ist nur der Heli! Und der befindet sich niemals über den Zuschauern. Und auch der Pilot hält einen respektablen Abstand zum Fluggerät. Ich habe es schon erlebt, dass eine Aufhängung eines Rotorblattes gerissen ist. Dann wird das Blatt zur Rakete. Und der Heli zerfetzt durch die augenblicklich entstehende Unwucht in mehrere Teile. 

Während meiner Beginner-Phase im Modellflug, damals noch mit gutmütigen Hochdeckern, also Flächenmodellen, war Heli fliegen nur für alte Männer erschwinglich. Die hatten die Kohle, ums sich so ein Teil anzuschaffen, aber nicht mehr die Nerven, es zu fliegen. Es gab noch keine Elektronik (jedenfalls nicht im Vergleich zu heute) und Elektromotoren mit leistungsfähigen Akkus waren gänzlich unbekannt. Statt dessen waren die Helis mit Verbrennermotoren bestückt und machten auf dem Modellflugplatz einen Höllenlärm. Und das war der Nachteil bei den Helis. Während Flächenmodelle sich ja aus physikalischen Gründen durch die Luft bewegen mussten, und somit eigentlich immer "weit weg" waren, war auch der Sound des Motors "weit weg". Das war und ist bei Helis vollkommen anders.  Hier muß sich nicht die Tragfläche, und damit das gesamte Flugzeug durch die Luft bewegen, um Auftrieb zu erzeugen, sondern hier erzeugt die Tragfläche dadurch Auftrieb, dass sie sich um ihre eigene Achse dreht. Das ist ja genau das geile an einem Drehflügler: In Augenhöhe vor dir in der Luft stehen. Endlich sieht man mal was von seinem Modell. Das war dann allerdings auch die Zeit, als sich viele Modellbauvereine verdoppelten. Also, aus einem Verein entstanden zwei Vereine. Weil sich die Ehefrauen an den Wochenenden auf dem Modellfluggelände wegen der Helis nicht richtig unterhalten konnten, wurden die Heliflieger anfänglich an ein weit entferntes Teil des Flugfeldes verbannt und schließlich komplett aus dem Verein geekelt. Oder sie sind selbst abgehauen. Man stelle sich einmal dieses Paradoxon vor: Modellflieger werden an der Ausübung ihres Modellflugsports gehindert, weil die Geräusche ihrer Modelle die Weiber beim tratschen stören! Bekloppt!

Ich habe dann - auch aus beruflichen Gründen - irgendwann mit dem Modellflug aufgehört. Aber losgelassen hat mich der Sport nie. Und durch die rasante Entwicklung der Elektronik und auch durch viele kleine Chinesen, wurde der Markt plötzlich mit einer Vielzahl von Helis überschwemmt, die zu unglaublich niedrigen Preisen angeboten wurden und werden. Musste man früher den Heckrotor an einem Heli aktiv steuern (was die Fliegerei mit einem solchen Hobel praktisch unmöglich machte) gibt es heute dafür einen Gyro (ein Gyroskop), der die Lage des Hecks registriert und die entsprechenden Lenkimpulse an die Ansteuerung weiterleitet, so das sich das Heck immer dort befindet, wo es hingehört. Natürlich kann man mit der Fernsteuerung jederzeit eingreifen. Hatten die ersten Helis der "Neuzeit" noch Hilfsrotoren (Paddel) gibt es mittlerweile bereits "Flybarless" Rotorköpfe, die jetzt bereits Standard sind. Das "Paddel" wird von einer Elektronik ersetzt, die auch noch einiges mehr kann, was die Stabilisierung der Fluglage eines Helis betrifft. Plötzlich war ich auch in der Lage, mir so ein Teil zu leisten. Nach dem Motto: "Wer billig kauft, kauft zweimal" habe ich dann gleich dreimal gekauft, bis ich nach den ganzen Plagiaten dann doch das Original auf dem Tisch hatte. Von den ersten kleinen Schwebeflugversuchen im Wohnzimmer! (total bescheuert) zeugen heute noch einige "Kitschen" von den Rotorblättern an den Wänden. Bis ich diesen Irrsinn endlich eingestellt habe, habe ich dann doch einige Rotorblätter versemmelt. Heute "fliege" ich das Ding dann nur noch im Freien, was meiner Wohnzimmereinrichtung deutlich zuträglicher ist. 

Übrigens: Die richtigen Freaks benutzen natürlich keine Elektromotoren. Oder halt...doch. Sie benutzen einen E-Motor, um ihre Modellturbine anzulassen! Ohne Scherz. Es gibt Jungs, die bauen richtig große Modellhelis (Teile, die über 10.000 EUR kosten), und die tatsächlich von einer Modellturbine angetrieben werden, die auch vorbildgerecht mit Kerosin betrieben wird. So ein Gerät ist dann auch vom Sound kaum noch von einem manntragenden Heli zu unterscheiden. Der Wahnsinn findet kein Ende....

mit Pilot
mit Pilot
noch mit Paddel
noch mit Paddel
mit Turbine
mit Turbine