North Dakota, Minnesota, Wisconsin, Illinois

Weil wir ja letztlich nach Toronto wollten, war in Winnipeg erst mal Schluss mit Kanada. Natürlich hätte man in Kanada weiter fahren können, aber es gibt da wenige Alternativen und noch weniger größere Städte. Also ging es zunächst einmal ein Stück Highway Nr. 75 bis zur Grenze zu den USA. Dann, in dem Land der Freien und dem Heim der Tapferen, auf dem Highway Nr. 29 quer durch North Dakota bis nach Fargo und von dort über den Highway 94 durch Minnesota nach Minneapolis.

Vorher hatten wir allerdings noch den Besuch einer "Bonanza Farm" auf dem Programm: Baggs Bonanza Farm in Mooretown im Richland County in North Dakota. Dss ist eine Art Freilichtmuseum einer ehemaligen Bonanza-Farm. Und der Begriff Bonanza-Farm ist nicht etwa der entsprechenden Fernsehserie entnommen, sondern Bonanza ist ein feststehender Begriff in den USA. Solche Farmen waren extrem groß und immer mit der Produktion von Lebensmitteln verbunden. In North Dakota lag der Schwerpunkt der Bonanza Farmen bei der Getreideproduktion (Weizen). Auf jeden Fall wurden wir dort (wir waren angemeldet) mit einem exorbitanten Lunch empfangen, mit selbstgemachtem Apple pie als Dessert. Himmlich! Danach mussten wir dann allerdings  eine komplette Führung über uns ergehen lassen. Diese Führung machte eine sehr toughe Witwe, die sehr unangenehm werden konnte, wenn man mal nicht richtig zuhörte.

Aber dann ging es weiter nach Minneapolis. Diese Stadt bildet, zusammen mit der "Zwillingsstadt" St. Paul, die Region der Twin Cities, mit etwa 400.000 Einwohnern. Eigentlich nicht besonders groß (für amerikanische Verhältnisse zumindest). Dennoch kennt man den ein- oder anderen, der in dieser Stadt geboren wurde: z. B. Prince oder Charles M. Schulz, der Schöpfer der "Peanuts". Da sich Minneapolis am Mississippi befindet, also mit viel Wasser versorgt ist, siedelten sich hier schon früh Getreidemühlen an. Die Firma Pillsbury, bei uns bekannt von dem Knack & Back Produkten mit dem Teigmännchen, hatte hier einst die größte Getreidemühle der Welt. Und noch was gibt es in Minneapolis: Eine riesige Shopping-Mall, das größte Einkaufszentrum der USA und das am meisten besuchte der Welt, mit jährlich 42 Millionen Besuchern. Im Inneren des Gebäudes befindet sich unter anderem ein Freizeitpark mit Achterbahnen und anderen Fahrgeschäften, ein Aquarium, Kneipen, Kinos und natürlich Läden ohne Ende. Es gibt sogar eine Tiefgarage, speziell für Reisebusse! Insgesamt gibt es mehr als 520 Geschäfte und 50 Restaurants. 

Vergnügungspark in der Mall of America in Minneapolis, MN
Vergnügungspark in der Mall of America in Minneapolis, MN
Aquarium in der "Mall of America", MN
Aquarium in der "Mall of America", MN

Um ehrlich zu sein, ich war genauso schnell wieder draußen, wie ich rein gegangen bin. Nur Kneipen und Klamotten. Schrecklich. Ein Mensch wollte mir irgend eine Schale für mein Smartphone verkaufen. Als er mir den Preis nannte, sagte ich ihm, was so ein Teil in good old Germany kostet. Ich denke mal, er hat es mir nicht geglaubt. Auf jeden Fall war der Scheiß 3-4 mal so teuer, wie in Deutschland. Dann ging es mit dem Bus ab ins Hotel. Am nächsten Tag war Chicago angesagt. Darauf habe ich mich am meisten gefreut. Aber dafür mussten wir dann etwas weiter nach Osten und kamen relativ schnell nach Wisconsin. 

Und hier ereilte uns das Schicksal. Nach einer kleinen Pause am frühen Nachmittag, sprang der Bus nicht mehr an. Oder, sagen wir besser, der Anlasser war tot! Also wurde aus der kleinen Pause eine große Pause....eine sehr große Pause. Der arme Busfahrer hatte sein Mobiltelefon in der einen Hand, während er mit der anderen irgendwo rumschraubte und die Instruktionen des Technikers (der in Toronto saß!) umzusetzen versuchte. Das weiße Hemd, das er trug, wechselte die Farbe Richtung grau, dann dunkelgrau mit schwarzen Bereichen. Ganz zu Anfang hatte ich ihm übrigens geraten, unter den Bus zu klettern und den Anlasser kurzzuschließen. Allerdings wurde diese Idee von ihm lediglich mit einem mitleidigen Grinsen quittiert. Um es vorweg zu nehmen: Am Ende der "Performance" (mittlerweile waren die Luftspeicher leer, so daß als Luftspender noch das Reserverad herhalten musste) gab der Techniker in Toronto die Anweisung, unter den Bus zu klettern und den Anlasser kurz zuschließen. Der Gesichtsausdruck des Busfahrers lässt sich mit Worten nur schwer wiedergeben, vor allem als er meine Bemühungen sah, mein lauthalses Lachen zu unterdrücken.

Unfreiwilliger Stop in Wisconsin
Unfreiwilliger Stop in Wisconsin

Immerhin ist die Karre dann angesprungen. Und um diese "ichkletterejetztmalunterdenbus" Prozedur zu vermeiden, blieb der Motor bis Chicago an. Als wir in Chicago ankamen, genau zur rush-hour, ging gerade ein gewaltiges Gewitter nieder. Unser Hotel lag direkt am Chicago-River, unmittelbar in der Nähe der Mündung in den Michigan See. Oder besser gesagt, in der Nähe der ehemaligen Mündung. Denn um 1900 hat man die Fließrichtung des Flusses umgeleitet, so dass der Michigan-See heute die Quelle des Chicago-Rivers ist. Übrigen: Der arme Busfahrer musste noch am selben Abend irgendwo nach Indiana zu einer Vertragswerkstatt fahren, zwecks Reparatur. Natürlich haben die Werkstätten dort 24 Stunden geöffnet und so war abends um 22:00 Uhr noch jemand zugegen, der den Bus aber auch nicht reparieren konnte, weil eine blöde Sicherung fehlte, die natürlich nicht vorrätig war. Aber: FedEx machts möglich: Die Sicherung wurde kurzerhand über Nacht aus Europa importiert und im Laufe des nächsten!! Tages eingebaut. Eine Reservesicherung gab es noch on top! Wir hatte für diesen Tag einen Ersatzbus für die Stadtrundfahrt in Chicago und am nächsten Tag stand unser Bus zur Weiterfahrt wieder zur Verfügung.