Große Rundfahrt durch das Erzgebirge

Heute war übrigens auch "Kulturprogramm" angesagt: Busfahrt nach Naumburg mit anschließender Stadtführung, dann eine Fahrt mit einer historischen Straßenbahn und anschließend Zeit zum shoppen..äh zur freien Verfügung. Also, um es einmal vorweg zu sagen: Ich habe nicht fast 900 Euronen bezahlt, um in Naunburg an der Saale spazieren zu gehen, sondern um Schienenbus zu fahren. Und Leipzig wollte ich mir auch nicht anschauen (kenne ich bereits seit vielen Jahren) und erst recht keine Männer in Strumpfhosen, abends beim Ballett in der musikalischen Komödie in Leipzig. Schienenbus, Schienenbus, Schienenbus, das ist die Losung! Warum dieses "Kulturprogramm" eingeführt wurde, entzieht sich meinem Vorstellungsvermögen. Man kann doch zu jedweder Zeit irgendwo hin fahren, um sich eine Stadt oder ähnliches anzuschauen. Das muß man doch nicht bei einer solchen Fahrt machen. Aber wahrscheinlich wurde das auf Intervention der Ehefrauen eingeführt, weil die Damen unbedingt mitfahren wollen, dann aber eigene Vorstellungen vor Ort entwickeln, wie man diese Woche am besten rumkriegt. Und damit es keinen Streit gibt, verzichtet der eine oder andere auf den Schienenbus und schaut sich mit Madame Naumburg an und kauft ihr anschließend ein Paar Schuhe. Finde ich gut! Jeder nach seiner Facon. Ich fand die Fahrt ins Erzgebirge und die Fahrt durch das Vogtland als die beiden besten Tage der gesamten Tour. Und wir hatten viel Platz im Wagen, weil einige Ehepaare auf Kulturtrip waren und wir uns deswegen schön ausbreiten konnten. Die Kulturtage haben doch was Gutes! 

Morgens um 8:00 Uhr ging es los. Vorher schnell noch zu einem Bäckerladen im Hauptbahnhof. Oha, hier gab es auch Franzbrötchen! Die bekommt man ja in unserer Gegend (also im Rheinland) eher selten. Franzbrötchen sind ja mehr so eine Spezialität aus der Hamburger Gegend. Aber es gab bereits in Wernigerode im Bahnhof welche, und die waren supergut! Mit Marzipan gefüllt - eher selten, aber lecker und ersetzen ein vollwertiges Mittagessen. Also die Leipziger Franzbrötchen waren jetzt nicht so gehaltvoll wie die im Harz, aber auch nicht gerade geeignet, um eine Diät damit zu machen. Ok, dann noch ein belegtes Brötchen und ein Kaltgetränk und schon war der Rucksack für die Fahrt gefüllt. An Gleis 20 kam gerade unser Schienenbus an, als wir den Bahnsteig erreichten. Die bevorstehene Strecke war: Chemnitz - Flöha - Annaberg-Buchholz - Markersbach - Schwarzenberg - Annaberg-Buchholz - Wolkenstein - Flöha - Freiberg - Nossen - Döbeln - Leipzig. Eigentlich ein ordentliches Programm. 

Wirklich bekannt waren mir lediglich Chemnitz (ehemals Karl-Marx Stadt) und Annaberg-Buchholz, als die Wirkunsstätte des Rechenmeisters Adam Ries (oder Riese, wie er in der flektierten Form genannt wird) im 16. Jahrhundert. Das Erzgebirge ist für mich ein Synonym für eine Gegend, in der im Winter eine große Menge Schnee liegt und wo Menschen mit der Herstellung von vielerlei Produkten aus Holz beschäftigt sind, wie z. B. Weihnachtspyramiden und Räuchermännchen. Von alle dem haben wir nichts bemerkt, weil das Wetter doch noch sehr mild war, für die erste Novemberwoche.  Die befahrenen Strecken waren sehr interessant, vor allem was die zahlreichen Bahn-Bauwerke betrifft, die nach mittlerweile 25 Jahren deutscher Einheit ihren Zenit eindeutig überschritten haben und langsam in sich zusammenfallen. Schade! Als es nach 16:30 dunkel wurde, schalteten wir im Schienenbus die Innenbeleuchtung aus, um den Blick nach draußen nicht zu stören. Das machte die Fahrt irgendwie noch gemütlicher.

Schrott-Immobilie im Erzgebirge
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Alter, aufgelassener Bahnhof von Annaberg
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