Indiana, Michigan, Niagara Falls, Ontario

Endlich hatte wir "unseren Bus" wieder zurück. Frisch repariert, zeigte der Fahrer mir stolz seine Ersatzteile, die noch für alle Fälle abgestaubt hatte. Und dann ab in den Bus und los Richtung Indiana und Michigan. Das Tagesziel war ja "Windsor". Das ist praktisch die Stadt, die Detroit genau gegenüber liegt, getrennt nur durch den Detroit River. Außerdem ist Windsor bereits wieder in Kanada. Zunächst waren wir allerdings unterwegs in einem Vorort von Detroit, namens Dearborn. Was gibt es dort Besonderes? Nun, dort befindet sich das "Henry Ford Museum". Ein riesiges Museum, vollgestopft mit allem Möglichem Gerät, was sich irgendwie bewegt oder bewegen lässt. Autos natürlich, Eisenbahnen, Flugzeuge usw, alle Limousinen, die von den jeweiligen Präsidenten gefahren wurden, bis hin zu der Karosse, in der J.F.K. in Dallas sein Ende fand.

Lincoln Continental In diesem Fahrzeug wurde Kennedy bei seiner Fahrt durch Dallas erschossen.
Lincoln Continental In diesem Fahrzeug wurde Kennedy bei seiner Fahrt durch Dallas erschossen.

Diese Panorama-Aufnahme hat, methodisch bedingt, einen Knick in der Mitte. In diesem Fahrzeug wurde Kennedy bei seiner Fahrt durch Dallas erschossen. Man kann alle Aufbauten abnehmen, so daß ein Cabrio übrig bleibt. Kennedy wollte damals unbedingt offen fahren, was ihn  letztlich das Leben gekostet hat.

Natürlich darf auch eine "Tin Lissy" nicht fehlen, die Blechliesel. Es war das erste Automobil, das in Fließbandproduktion hergestellt wurde. Das Museum ist riesig und man könnte dort schon einen ganzen Tag verbringen. Wir mussten aber irgendwann weiter und warteten vor dem Museum auf den Bus und schlugen die Heerscharen von Wespen in die Flucht, die uns draußen belästigten. Dann ging es weiter nach Detroit! Au ha! Detroit, die ehemalige Perle der Automobilproduktion ist zugegebener Weise pleite! Und so sah es dort auch aus. Für einen Samstag Vormittag, war die gesamte Innenstadt gespenstig leer. Mitten in der City leerstehende Gebäude, eingeworfene Fenster, ein unglaubliches Szenario. Ich bin im Bus geblieben und war froh, als wir durch den Tunnel unter dem Fluß fuhren und auf der anderen Seite wieder in Kanada rauskamen. Die Wiedereinreise nach Kanada war überhaupt kein Problem. Und abends habe ich mit zwei Mitreisenden ein Steakhouse aufgesucht und habe es mir dort gut gehen lassen.

Am nächsten Tag ging es dann zu den Niagara Fällen. Der Niagara River, verbindet den Eriesee mit dem Ontario See. Die Wasserfälle teilen sich in einen US-amerikanischen und einen kanadischen Teil auf, wobei der Kanadische Teil (Hufeisen) eine Fallhöhe von 51 m und eine Kantenlänge von 792 m hat. Der US-amerikanische Wasserfall hat lediglich eine Kantenlänge von 363 m und eine Fallhöhe von 21 m. Nachts und zu Zeiten, an denen wenig Touristen die Gegend besuchen, wird der Wasserfall abends buchstäblich abgeschaltet. Das Wasser fließt dann zur Energiegewinnung über Stauwehre in eine andere Richtung.

Niagara Fälle. Rechts der kanadische, links der us-amerikanische Teil.
Niagara Fälle. Rechts der kanadische, links der us-amerikanische Teil.

An den Fällen selbst herrscht natürlich der übliche amerikanische Trubel. Wie es sich für anständige Touristen gehört, haben wir natürlich an der obligatorischen Bootsfahrt bis dicht an die Wasserfälle gemacht (natürlich unten). Man bekam beim Boarding so eine Art blaue Mülltüte, die natürlich als Einweg-Poncho fungieren sollte. Ich hatte mir zuhause einen vernünftigen Poncho gekauft, der jetzt zum Einsatz kam und ebenfalls eine blaue Farbe hatte. Auf dem Boot waren über 200 Menschen, von denen mich die meisten blöd anglotzten, weil mein Poncho irgendwie anders war als alle anderen. Als das Boot wieder am Steg anlegte, wurde klar: Alle anderen waren vergleichsweise nass, ich dagegen vergleichsweise trocken. Der Poncho hat gewirkt und war damit sein Geld wert. Damit war das Kapitel "Niagarafälle", oder wie man dort sagt "Neiägrafols" (das soll Lautschrift sein) erledigt und es ging zurück nach Toronto.